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Gute Farben, schlechte Farben

Schon an unserem Webseitennamen erkennt man, dass Green Screen vermutlich relevanter als Blue Screen oder Red Screen ist. Doch was ist der Unterschied? Erstens: Hintergründe können blau, rot oder grün sein, theoretisch jede gleichmäßige Farbe, die sich nicht in den zu filmenden Gegenstand befindet. Für Menschen eignen sich vor allem blau und grün, weil sie im Farbraum am weitesten weg von menschlichen Haut- und Haartypen sind. Rot hat sich bei den Chroma-Key-Farben als dritte Variante manifestiert, ist aber in der Farbmischung für den europäischen Hauttypen ungeeignet und das Freistellen wird schwieriger. Dunklere Hauttöne oder Produkte lassen sich mit einer Red Screen gut freistellen.

Green Screen, Blue Screen oder Red Screen - Bring Farbe an die Wand

Für grüne Wände verwendet man den Begriff Green Screen, blaue- werden als Blue Screen und rote Wände als Red Screen bezeichnet. Diese Farben begleiten uns nun beim sogenannten Chroma-Keying, also dem Freistellen eines Gegenstandes oder einer Person vor der Wand. Die Verfahren ähneln sich und es gelten die gleichen Prinzipien. Trotzdem möchte ich im Folgenden eher über das Green Screen verfahren sprechen. Und das hat Gründe:

Blue Screen Verfahren waren vor allem im letzten Jahrhundert angesagt. Das hatte was mit der Kameratechnik und den Verfahren zu tun, wie aufgezeichnet wurde. Zeitgleich gab es jedoch stets das Green Screen. Warum brauchte man diese Alternative? Nun, stelle dir vor, der Moderator möchte oder muss etwas Blaues anziehen. Was dann? Blaue Kleidung lässt sich vor einer Blue Screen kaum bis gar nicht freistellen. Außerdem wirken blaue Augen vor dem Blue Screen etwa gespenstisch und bedürfen meist einer manuellen Nacharbeit.

Ansonsten ist das Blue Screen Verfahren nicht mehr sonderlich verbreitet, da es lichtkonsumierender ist, du also stärkere und teurere Lichter brauchst. Außerdem haben sich die Entwickler digitaler Kameratechnik heute auf die Grünpixel fokussiert, die mehr Bildinformationen sammeln als die blauen Pixel. Mehr Informationen bedeuten dann eben auch, dass die Bilder besser von Chroma-Keying-Programmen verarbeitet werden.

Bei den Kamera-Einstellungen muss zudem auf die Gammakurve geachtet werden. Hier haben sich die verschiedenen Standards von slog, slog2 und 3 bei Sony, Arri-Logs oder auch Canon als Problem erwiesen. Jeder Kamerahersteller kocht sein eigenes Süppchen und welches Grün, Rot oder Blau nun das Beste ist...schaut es Euch doch selbst an: links ARRI logcv4, Mitte Slog3 Sony, rechts Slog Sony.

Das Green Screen verfahren hat sich also bei den meisten Produktionen durchgesetzt und auch in unserem Studio herrscht diese wunderbare grüne Naturstimmung. Na ja, nicht ganz. Denn das verwendete Grün ist ein spezielles Grün. Es ist eine mit reflektierenden Additiven versetzte Farbe, die besonders gut Licht zurückwirft und daher weniger beleuchtet werden muss. Außerdem ist der Farbton nicht beliebig gewählt. Diskussionen über bestimmte RAL-Töne (RAL6018 und RAL6020) liest man im Internet immer wieder. Entscheidend ist jedoch Folgendes:

Du musst mit deiner Beleuchtung das Grün herausbekommen, das DEINE KAMERA will. Das ist der entscheidende Casus knacksus. Überspitzt gesagt: Wenn alle Lichter im Studio ausgeschaltet sind, ist das Grün in der Kamera schwarz. Wenn zu viel Licht verwendet wird und du überbelichtest, erscheint das Grün in der Kamera als Weiß. Puhhh, jetzt wird es wohl kompliziert? Mach es dir einfach und kaufe eine Farbe eines Herstellers, der Chrom-Key-Farben anbietet. Auch wenn ein Eimer mit 12 Litern 100 Euro kostet. Es ist eine Investition in die Zukunft.

Green Screen Flecken

VORSICHT! Green Screen Flecken verursacht durch Insekten.

Die Wandoberfläche deines Hintergrundes sollte, abgesehen vom Farbton, glatt und eben sein. Idealerweise ist es eine Wand, da diese, einmal bemalt, ewig hält. Alternativ kannst du auch Papierrollen oder Stoffe verwenden. Nachteil ist, das Papier reißt und Tücher faltig werden und Staub ansetzen. Ein faltiges Tuch oder angerissenes Papier eignen sich nicht, da in diesen Bereichen die Farbe anders als auf dem Rest des Materials erscheint und daher das Freistellen erschwert wird. Der Hintergrund muss absolut glatt sein und gleichmäßig aussehen. Wie du deine Green Screen nun optimal ausleuchtest, haben wir im Artikel „Green Screen Studio richtig ausleuchten“ beschrieben.

Ein abschließender Hinweis noch zur weiteren Raumgestaltung. Die Hintergrundwand ist grün gestrichen worden, doch was passiert mit den anderen Wänden? Sollten die ebenfalls angemalt werden? Wenn es geht, JA. Und zwar mit schwarzer Farbe, die alles reflektierende Licht von der Person bzw. der grünen hinteren Wand absorbieren. Es sollte so wenig grün wie möglich auf die Person reflektiert werden, damit ein optimales Keying möglich ist.

Neuer Trend sind graue Pop-outs

Pop-outs werden heute vor allem für den mobilen Einsatz verwendet. Die zusammenfaltbaren grauen Stoffe klappen sich beim Öffnen automatisch aus und werfen praktisch keine Falten. Sie enthalten grüne Reflektoren. Du musst also ein grünes Licht verwenden, um das Tuch reflektieren zu lassen. Professionelle Pop-Outs sind teuer, aber wohl recht effektiv. Ausprobiert habe ich sie noch nie.

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